SCUFFHAM Boutique Modelling-Amps//****

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moony667
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SCUFFHAM Boutique Modelling-Amps//****

Beitragvon moony667 » Mi 10. Aug 2011, 09:09

Guten Morgen, ich möchte heute meine Erfahrungen mit der Scuffham S-GEAR Amp-Modelling Software mit euch teilen.
Background: Mike Scuffham ist in der Amp-Szene kein Unbekannter, hat er doch lange Zeit bei Marshall in der Entwicklung gearbeitet, seinem Genius entstammen z.B. der JMP-1 PreAmp und das JFX-1 Rack-Effektgerät. Als er sich selbständig machte, war sein Ziel, hochwertige Amps in Boutique-Qualität zu fertigen; das Unterfangen scheiterte allerdings an der schwierigen finanzierung des Projektes, so dass er seine Amp-Designs als Software-Lösung realisiert hat...in Boutique-Qualität!

Get it: Wer skeptisch ist, hat unter http://www.scuffhamamps.com die kostenlose Möglichkeit, die Vollversion von S-Gear als 15-Tage Trial-Version runterzuladen, will man sie dauerhaft nutzen, wechseln via PayPal 75,-Eus den Besitzer und man bekommt einen Freischaltungscode für die uneingeschränkte Nutzung der Software...ohne Dongle o.Ä. Ausserdem ist es möglich, S-Gear parallel, ohne Extrakosten, auf einem zweiten Rechner zu installieren!!

Der erste Kontakt: die Installation erfolgt ohne Probleme, S-Gear kann sowohl als Stand-Alone Variante, als auch als VST-Plugin installiert werden. Was nach dem Starten der Software auffält, ist die liebevolle und übersichtliche Gestaltung des Fensters, oben sitzt der Amp mit den bekannten Regelmöglichkeiten, dann kann man via Tweak-Button die Regelung für die Endstufe öffnen (Presencefrequenz, Hicut und Sag). Darunter kommt der einzige Effekt, das "Delaythang", ein Delay das Mono, Stereo und als Multitap, Analog oder Tube und mit oder ohne Modulation "gefahren" werden kann. Darunter schliesst sich der "Convolver" an, dort nimmt man Einfluss auf Boxen (2 parallel) und Mikrofone, die komplett als höchstwertige Impulsantworten vorliegen und zum Schluss kommt die Rackcontrol,wo Prestbänke, Effekt und Amp/Cab on/off geschaltet werden und das Noisegate geregelt wird. Convolver und Delaythang können der Übersichtlichkeit halber auch über zwei kleine Dreiecke rechts am "Rackrahmen" ein-oder ausgeklappt werden.

En Detail: S-Gear gibt sich betont puristisch, es gibt lediglich drei verschiedene Amps, die aber nicht wie bei der Konkurrenz andere Amps nachbilden, sondern Mike Scuffhams eigene Boutique-Amp Designs sind:
"the Duke", ein Amp amerikanischer Prägung, cremig, sahnig, dynamisch, edel, würde ihn klanglich zwischen Mesa/Boogie Mk II und einem Dumble-Amp einordnen; Gain endet hier bei einem satten mega-crunch/medium overdrive. "the Stealer", definitiv ein Brite, fett, rotzig mit schön rauen Mitten, um bei Scuffhams Marshall-Vergangenheit zu bleiben würde ich sagen, der Amp vereint das Beste eines 1959 SLP und eines JCM 800 zu einer eigenen Interpretation des British-Sound. "the Jackal", ein medium-high-gain Amp, diesmal wieder eher Amerikanisch, extrem vielseitig (wie die anderen Amps auch), trotz sattem Gain irgendwie gediegen und edel, liegt klanglich auf halber Strecke zwischen Soldano SLO-100 und Boogie Rectifier, also süsslich fett ud trotzdem sehr transparent!!
Allen drei Amps ist gemein, dass sie konsequent zweikanalig sind und über diverse Schaltoptionen zur Soundverfeinerung verfügen (Boost und Brilliance-Schalter). Boxenseitig hat man einige Klassiker am Start, (Marshall mit Vintage 30, Orange mit Vintage 30, Marshall mit Vintage 25, Bassman 4x10", 1x12" mit Weber....), bei den Mikros sind es zwei, ein SM 57 und ein Bändchen-Mikro, beide liegen in verschiedenen Abnahmepositionen vor und besitzen einen eigenen EQ mit Bass, Treble und "Z" sowie Panorama. Es können parallel zwei verschiedene Boxen und zwei verschiedene Miks genutzt werden um den Sound auch im kleinsten Detail anzupassen.

Laut: Und wie spielen die Scuffhams nun? Wie ein guter Röhrenamp!!! Punkt, AUS!!! Alle drei Amps haben sehr eigene Charakteristika und verfügen über eine extrem grosse Variabilität, was allen gemeinsam ist ist der sehr gediegene Sound, die exakte Reaktion auf Spielweise und Volumenpoti der Gitarre und die Tatsache, dass Unterschiede zwischen verschiedenen Gitarren und Pickups fast schon analytisch herausgestellt werden, genial!!! Die Amps umreisse ich nur kurz: DUKE: warmer Cleansound mit beindruckender Klangtiefe, im Overdrive macht er mir den Carlos oder den Brian M.!!! STEALER: brillianter Cleansound mit viel Knack, Crunch gibt uns den Angus oder auch den Clapton, Overdrive bringt Led Zep, Gary Moore und frühe 80er Hardrockband-Sounds ans Gehör. JACKAL: ein sehr variabler Cleansound vom warm bis Funk, ein chraractervoller Crunch-Ton und ein sehr Fetter high-gain Heavy Rhythm and Lead-Sound der von Zakk Wylde bis Joe Satriani die ganze Palette bringt. Allen Amps ist zudem eine Eigenschaft mitgegeben: sie komprimieren wenig, das heisst unsauberes Spiel wird wenig bis gar nicht kaschiert, hier muss richtig gearbeitet werden!!!
Das Delaythang macht im übrigen ebenfalls einen genialen Job, klingt analog und breit, kann bei Bedarf einen Chorus komplett ersetzen!!!
Tja, die Boxen und Mikros klingen zu 100% echt, dank IR´s liegen ihnen ja auch echte Boxen und Miks zu Grunde!!!
Es besteht wie gesagt auch die Möglichkeit, Amp und Effket abzuschalten und nur die Boxen- und Mik-IR´s zu nutzen, z.B. um einen Desktop-Modeller klanglich aufzuwerten; ich habs mit meiner Johnson J-Station gemacht und das Ergenis war um Lichtjahre besser als der gleiche "Stunt", mit den Boxenmodells der Line6 PODfarm platinum!!!

Minus: Was ist jetzt nicht so toll? Nun, das Noise-Gate dürfte noch etwas flotter und smoother öffnen, man hat das Gefühl einer spürbaren Latenz, die ohne definitiv nicht spürbar ist! Weiterhin dürften ruhig ein paar Effekte (vor allem Vorschalteffekte a lá Compressor, Booster oder Overdrive) mehr an Bord sein und mir persönlich fehlt ein High-Gain-Amp im Stil eines Diezl , Engl oder Bogner mit etwas softerem Low-End, der Jackal ist halt exterm tight (aber trotzdem klasse)!

Fazit: für 75,-Eus bekommt man gegenüber der Konkurrenz im ersten Moment relativ wenig geboten, aber: die Amps sind so genial und vielseitig gemacht, dass sie eigentlich bei Aufnahmen einen "realen" Amp fast überflüssig machen, im Gegensatz zu Line6´s POD-Farm z.B. hat man nie das Gefühl, mit einem Kompromiss zu werkeln, es fühlt sich immer wie das REAL THING an. Wer einen guten Röhrenamp plus die Möglichkeit der amtlichen Aufnahme sein Eigen nennt, wird S-Gear nicht brauchen, alle anderen sollten es aber defintiv mal antesten, es lohnt sich.

P.S.: auf der Webseite sind Soundbeispiele (auch von usern, solltet ihr mal reinhören)
P.P.S.: nochmal zum Hinweis, Modelling-Software soll nicht klingen, als stünde man vor dem realen Amp, sondern wie ein gut Mikrofonierter Amp in einer Studiosituation!!! Nicht vergessen..... :wink:
P.P.P.S.: falls ihr euch entschliesst die Software zu kaufen, tut euch nen Gefallen und registriert die online; mein Studiorechne hängt aus gutem Grund nicht am Internet und ich bin seit gestern Morgen damit zugange, das Ganze offline freizuschalten...DAS ist ein wirklicher Minuspunkt, hier muss nachgebessert werden!
Manche Menschen sind sehr irritiert, wenn Sätze anders enden, als wie sie Rübenmus!!!

Spanferkel
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Re: SCUFFHAM Boutique Modelling-Amps//****

Beitragvon Spanferkel » Mo 7. Jan 2013, 17:44

Vielen Dank für den Tipp, ich kannte es bisher nicht.

Ich habe die Software nach einigen Stunden antesten gekauft, das Beste was ich je in diesem Bereich gehört habe.

Prädikat: sehr empfehlenswert !!