Musikmanager antworten - Was ist der 360-Grad-Vertrag

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ZOUNDR
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Musikmanager antworten - Was ist der 360-Grad-Vertrag

Beitragvon ZOUNDR » Di 5. Dez 2017, 12:53

Keine Lust zu lesen? -------> Dann lass Dir den Beitag vorlesen. Klicke auf [media]https://www.youtube.com/watch?v=G5t75rjq-gk&index=3&list=PL_JwxXpHURLzhHvseoWJZV58yveTi4FG6[/media]

KENNST DU DEN 360-GRAD-VERTRAG UND SEINE GEFAHREN?

Grundsätzlich ist die Denkweise der Musikindustrie immer die Gleiche:
Neue Medien werden belächelt, danach ignoriert, anschließend bekämpft
und am Ende springen die Verantwortlichen notgedrungen auf den letzten
Wagon des Zuges auf. Angefangen hat das Ganze bereits mit der Einführung
des Radios in den USA: Hierbei wurden von sämtlichen Produzenten und
Labels Petitionen gegen dieses Medium unterschrieben. Sie waren sich
alle einig darüber, dass das Radio die komplette Musikindustrie
gefährde, indem die Vinyl-Verkäufe, aufgrund der frei empfangbaren
Musik, zurückgehen würde. Letzten Endes hat das Radio zu höheren
Absätzen im Vinyl-Verkauf und im Live-Entertainment geführt.

Als nächster Gegner wurde die Kassette angesehen. Die Branchenvertreter
waren sich sicher, dass keiner mehr Vinyl kauft, da die Endpreise von
Kassetten um einiges günstiger waren. Auch hier war der Fall, dass die
meisten Konsumenten zusätzlich zur Vinyl die Kassette kauften, um die
Musik des Künstlers auch unterwegs hören zu können. Erneut waren
Umsatzsteigerungen die Folge.

Den gleichen Effekt des Doppelkonsums erzeugte die CD, da viele Fans sie
zusätzlich erworben hatten, um die Musik noch einfacher und in höherer
Qualität genießen zu können.

Als dann in den 90er die mp3 den Markt revolutionierte und darauf die
Download- und Streaming-Technologie folgte, waren theoretisch alle
Labels in der Lage, ohne nennenswerte Kosten ihren gesamten Backkatalog
auf Knopfdruck erneut erfolgreich vertreiben zu können. Aufgrund von
Unwissenheit und Streitigkeiten unter den Major-Label-Verantwortlichen,
wurden letzten Endes zwar Kanäle geschaffen, diese waren jedoch absolut
uninteressant für die Musikhörer. Wie so häufig übernahm auch hier ein
branchenfremdes Unternehmen das Ruder und präsentierte den Konsumenten
eine hervorragende Lösung.

Wieder einmal sprang die Branche auf den letzten Zug-Wagon auf, doch
dieses Mal zahlte sie mit erheblichen Macht- und Ertragsverlusten. Mit
der Digitalisierung und dem gleichzeitigen Schrumpfen des Absatzmarktes
mussten neue Lösungen her, da die ursprünglichen Geschäftsmodelle der
Labels in Gefahr waren. Statt nur die Leistungsschutzrechte zu verwerten
wurde angefangen, auch durch alle anderen Rechte Einnahmen zu
generieren. Beispielsweise bei Live-Auftritten, bei
Merchandise-Produkten bis hin zu Einnahmen aus Urheberrechten. Also
wurde versucht, in jedem Bereich eine prozentuale Beteiligung an den
Umsätzen des Künstlers zu erhalten. Um das vertraglich festzuhalten,
wandte man den sogenannten 360-Grad-Vertrag an. Eine Lösung, die für die
Label-Verantwortlichen geradezu perfekt war und immer noch ist.
Insbesondere dann, wenn sie keine weiteren Investitionen tätigen müssen,
sie aber an den Einnahmen des Künstlers mitverdienen. Natürlich gibt es
nicht nur schwarze Schafe. Trotzdem ist diese Entwicklung, vor allem
aus der Sicht des Künstlers, immer kritisch zu betrachten.

Unser Tipp an Dich:

Wird Dir ein solcher Vertrag angeboten, solltest Du Dir in jedem Fall im
Klaren darüber sein, dass Du meistens weitere 10-40 % Deiner Einnahmen
an Dein Label abtrittst, ohne dass Dein Label dafür tätig wird.
Rechtlich betrachtet ist die Beteiligung an Deinen Einnahmen mit
Vorsicht zu genießen, da keine direkte Gegenleistung gegenübersteht.
Beispielsweise erhält Dein Label Einnahmen von Deinen Live-Konzerten,
ohne sie gebucht, beworben oder organisiert zu haben. Da dies sowieso
Deine Künstleragentur in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter übernimmt
und Du hierfür die branchenüblichen 20 % an Deine Agentur abführen muss,
bezahlst Du in dem Fall Dein Label ohne jegliche Gegenleistung!

Zusätzlich überträgt Dein Label nicht selten einen erheblichen Teil
seiner Kosten, wie beispielsweise Werbe- und Videoproduktionskosten, auf
Dich. Wenn Dein Label jetzt auch noch an allen anderen Einnahmen
mitverdienen möchte, könnte es sich schon um ein sittenwidriges Geschäft
handeln. Damit Deinem Label dies aber nicht vorgeworfen werden kann hat
es angefangen, andere Leistungen wie insbesondere Booking und
Merchandising anzubieten. So kann es seine 360-Grad-Deals rechtfertigen.

Des Weiteren musst Dir unbedingt bewusst sein, dass Du bei solch einem
Vertrag lediglich einem Unternehmen erlaubst, Deine Karriere zu steuern.
Solltest Du beispielsweise ein Problem mit der Arbeitsleistung in einem
bestimmen Bereich (z.B. Booking) oder mit einer bestimmten Person
haben, so hast Du gleich ein großes Problem mit allem.

Splittest Du dagegen die einzelnen Bereiche und beschäftigst somit
unterschiedliche Akteure, die wirkliche Experten auf ihrem jeweiligen
Gebiet sind, hast Du die Zügel in der Hand und bist in der Lage, schnell
und flexibel Leute bzw. Unternehmen auszutauschen.

Aus unserer Sicht, solltest Du selber ein Label gründen. Nicht nur um
Deine Rechte zu wahren, sondern auch um einen professionelleren Auftritt
nach außen hin zu erzeugen. Die Gründung eines Labels kostet Dich
lediglich einen Gewerbeschein (der aktuelle Preis liegt bei ca. 40,00
EUR) sowie der kostenlosen Mitgliedschaft bei der GVL. Da Du als Musiker
ein wirtschaftliches Ziel verfolgst, bist Du bzw. ist Deine Band
automatisch eine Einzelunternehmung bzw. eine GbR. Auch ohne, dass Sie
offiziell eingetragen werden muss. Hierzu haben wir einen weiteren Cast
für Dich: „Die eigene Band als Unternehmen – Warum und Wieso?“.

Wenn Du weitere Fragen zu diesem Thema hast oder Hilfe bei der Gründung
Deines Labels brauchst, dann melde Dich gerne bei uns und wir
unterstützen Dich.

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